Ein "Tennisfloh" lehrt die Konkurrenz das Fürchten

Die zehnjährige Stettenerin Katrin Schmidt ist deutsche Jugendmeisterin – Profikarriere noch nicht im Blick

Stetten. Lange wird es nicht mehr dauern, dann muss die Stettener Familie Schmidt wohl ein Möbelhaus aufsuchen, um eine große Vitrine für das Kinderzimmer zu erstehen. Schuld daran ist die zehnjährige Tochter Katrin mit ihren sportlichen erfolgen. Noch werden die Trophäen des Tennis-Talents auf der Fensterbank gebunkert. 20 Pokale stehen dort bereits – für all jene Turniersiege, die das Mädchen vom TC Stetten in den vergangenen zwei Jahren errungen hat. Erst vor zwei Wochen kam der Preis für den Gewinn des deutschen Meistertitels im Jahrgang 1991 hinzu. „Ich freue mich über jeden Erfolg, aber vor allem spiele ich Tennis, weil es einfach tierisch Spaß macht“, sagt Katrin Schmidt.

Bis vor wenigen Wochen hat sich das Leben des Teenagers noch hauptsächlich in Stetten abgespielt, morgens in die Lindachschule, dann Hausaufgaben oder Inline-Skaten auf der Weidacher Höhe und am Nachmittag gemeinsam mit Mutter Gabi, der Jugendwartin des TCS, ins Training. Nach den Schulferien geht es für Katrin nun aufs Gymnasium nach Echterdingen. Dort hofft die württembergische Meisterin und Gewinnerin des LBS-Jugendcups dann auf ebenso viel Unterstützung, wie sie ihr durch ihren bisherigen Rektor zugeteilt geworden ist: „Zweimal hab’ ich schon frei bekommen, weil wichtige Turniere anstanden“, berichtet die Zehnjährige stolz.

Übertriebener Ehrgeiz ? Falsch vermutet, trotz aller bisherigen Erfolge. „Katrin ärgert sich zwar, wenn sie verliert, aber sie wirft weder mit Schlägern um sich, noch sorgt eine Niederlage für schlechte Laune“, sagt die Mutter. Freilich: allzu viele Niederlagen musste die Stettener Nachwuchshoffnung bislang auch nicht verkraften. Auf regionaler Ebene putzt die junge Dame, die mit drei Jahren erstmals einen Schläger in der Hand hatte und seit zwei Jahren ernsthaft Turniere spielt, derzeit alles weg, was ihr in den Weg kommt. Mangels echter Konkurrenz im eigenen Jahrgang spielt die Gymnasiustin in spe oft schon bei den Wettbewerbern der Zwölf- und 13-jährigen mit.

Jüngst gab es eine Einladung zur sürddeutschen Meisterschaft in der Altersklasse bis zwölf Jahre. Erst im Halbfinale kam dort das Aus für Katrin Schmidt gegen Konkurrentinnen, die im Schnitt zwei Jahre älter waren. Zu einer Demonstration wurden dann die nationalen Meisterschaften in Detmold Anfang August. Sieben Siege und keine Niederlage führten im 60-köpfigen Teilnehmerfeld letzendlich zum souveränen Gewinn der deutschen Meisterschaft. Noch besser: nicht einen einzigen Satz musste die junge Stettenerin abgeben. „Ab und zu musste ich aber schon ganz schön kämpfen, und einige haben mich auch einfach aufgrund meiner Größe unterschätzt“, berichtet der 1,42 Meter große Tennisfloh.

Was die nächsten Aufgaben angeht, wird dies, von den Gegnerinnen unterschätzt zu werden, wohl nicht mehr passieren. Kommende Woche ist Katrin beim Jugendturnier in Bernhausen zu Gast, das Teil der LBS-Cup-Serie ist. Vergangenes Jahr gewann die Neu-Gymnasiastin die Gesamtwertung des größten Tenniswettbewerbs für Kinder und Jugendliche im Land.

Hat es so nicht auch einmal bei Steffi Graf angefangen ? Mag sein. Eine Profikarriere haben bislang aber weder Katrin noch ihre Mutter im Blick. „Da kann noch so viel passieren. Im Moment ist sie ein riesiges Talent und spielt mit viel Leidenschaft Tennis. Wie das aber in drei bis vier Jahren aussieht, kann kein Mensch vorhersagen“, sagt Gabi Schmidt über ihre Tochter. Ohnehin versucht die Mutter, die selbst in der Verbandsliga-Mannschaft des TC Stetten aktiv ist, ihren Schützling nicht in eine Richtung zu drängen: „Wenn sie eines Tages keine Lust mehr hat, Tennis zu spielen, dann werden wir das akzeptieren und sie nicht zu irgendetwas zwingen“, sag Gabi Schmidt.

Derzeit besteht diese Gefahr nicht. Neben dem Vereinstraining und den Einzelstunden mit den Eltern fährt Katrin noch zweimal wöchentlich nach Nürtingen zu Bezirkstrainer Uli Welebny und geht dazu noch regelmäßig mit den Leichtathleten der Spvgg Stetten auf die Laufbahn. „Länger als eine Woche habe ich es bisher noch nicht ohne Tennis ausgehalten“, sagt Katrin. Die sportbegeisterten Eltern hören’s gern. Auch wenn sie in Kürze vielleicht eine Vitrine anschaffen müssen....

Autor: Harald Landwehr

zurück zu den Berichten